Vier Bahnen tragen diese Seite: die Zahnradbahn auf den höchsten Gipfel des Nordostens, die Panoramastrecke durch den Crawford Notch, die Dampf-und-Boot- Kombination am Connecticut River, und als Bonus der eine Amtrak-Zug, der als echtes Verkehrsmittel taugt. Der Reihe nach, vom größten Erlebnis zum praktischsten.
Mount Washington Cog Railway
Als Sylvester Marsh 1858 dem Parlament von New Hampshire seine Bergbahn vorschlug, riet ihm ein Abgeordneter, doch gleich eine Bahn zum Mond zu bauen. Elf Jahre später fuhr die erste Zahnradbahn der Welt auf den höchsten Gipfel des Nordostens, und sie fährt noch, heute mit Biodiesel-Loks neben den historischen Dampfmaschinen. Die Fahrt dauert rund drei Stunden hin und zurück, überwindet 1.100 Höhenmeter und kippt an der berüchtigten Jacob's Ladder auf über 37 Prozent Steigung, man lehnt im Sitz wie im startenden Flugzeug. Tickets um die 90 Dollar, im Oktober Wochen im Voraus weg.
Buchungspraxis für alle Bahnen dieser Seite: online, direkt beim Betreiber, mit Platzkategorie: die Panoramawagen kosten wenig Aufpreis und lohnen ihn immer.
Conway Scenic Railroad
Vom viktorianischen Bahnhof in North Conway (1874) starten zwei Strecken: die kurze Talrunde nach Conway und (die eigentliche Empfehlung) der „Mountaineer“ durch den Crawford Notch: fünf Stunden über Trestle-Brücken am Hang, mit Panoramawagen und Blick in Schluchten, die von der Straße unsichtbar bleiben. In der Laubsaison ist der Zug das entspannte Gegenprogramm zur Kolonne auf dem Kancamagus.
Wichtig für die Wochenplanung: Der Mountaineer fährt nicht täglich und wechselt saisonal die Abfahrtszeiten; wer die White-Mountains-Tage legt, prüft zuerst seinen Fahrplan und baut den Rest darum.
Essex Steam Train & Riverboat (Connecticut)
Die charmanteste Kombination des Südens: Ab Essex zieht eine Dampflok von 1920er-Baujahr durchs Tal des Connecticut River, dann übernimmt ein Flussboot bis zum Gillette Castle. Zweieinhalb Stunden, die sich wie ein halber Urlaubstag anfühlen, und der Grund, warum Essex auf der Connecticut-Seite als Pflichtstopp geführt wird.
Und wer nach Essex noch Zeit hat: Das Gillette Castle oberhalb der Fähranlegestelle, das exzentrische Steinschloss des Sherlock-Holmes-Darstellers William Gillette, rundet den Tag mit dem besten Flussblick Connecticuts ab.
Mit Amtrak durch die Region
Auch als Verkehrsmittel taugt die Schiene stellenweise: Der Downeaster verbindet Boston fünfmal täglich mit Portland (2,5 Stunden) und ersetzt auf dieser Achse den Mietwagen vollwertig. Der Vermonter zieht einmal täglich von New York durchs Connecticut-Tal bis St. Albans, langsam, aber landschaftlich die schönste Linienfahrt Neuenglands. Für alles Übrige bleibt das Auto erste Wahl (Reiseplanung).
Praktische Randfrage vorweg: was anziehen? Die historischen Wagen sind unbeheizt oder ochsenstark beheizt, je nach Baujahr, und die offenen Aussichtswagen der Herbstfahrten verlangen dieselbe Schichtenkleidung wie ein Aussichtspunkt im Wind. Die Mütze, die auf dem Kancamagus gute Dienste tat, gehört auch in den Zug.
Warum die Bahnen überlebt haben
Neuenglands Eisenbahnnetz war um 1900 eines der dichtesten der Welt: Granit, Holz und Textilien fuhren auf Schienen, und jede Sommerfrische hatte ihren Bahnhof. Als Auto und Interstate das Netz in den 1950ern kollabieren ließen, retteten Enthusiasten die spektakulärsten Abschnitte als Museumsbahnen: Der Conway Scenic übernahm 1974 den viktorianischen Bahnhof samt Strecke, die Cog blieb schlicht, weil es für ihren Zweck nie einen Ersatz gab. Das erklärt den Charakter der Fahrten heute: Es sind keine nostalgischen Nachbauten, sondern Originale am Originalort, oft mit Wagenmaterial aus der Zwischenkriegszeit und Personal, das die Geschichte jedes Viadukts erzählt, wenn man fragt.
Für die Reiseplanung heißt das zweierlei: Die Fahrpläne sind saisonal und dünn (oft nur ein, zwei Abfahrten täglich), und die Strecken sind Erlebnis-Schleifen, keine Verbindungen; man kommt dorthin zurück, wo man losgefahren ist. Wer Bahn als Verkehrsmittel sucht, bleibt beim Amtrak-Abschnitt unten.
Welche Fahrt für wen
| Bahn | Dauer | Saison | Charakter |
|---|---|---|---|
| Cog Railway | 3 h | ca. Mai – Nov., Winter verkürzt | das große Erlebnis |
| Conway Scenic „Mountaineer“ | 5 h | Juni – Oktober | Panorama ohne Anstrengung |
| Essex Steam Train + Boot | 2,5 h | Mai – Oktober | nostalgisch, familientauglich |
| Amtrak Downeaster | 2,5 h | ganzjährig | echtes Verkehrsmittel |
Fotografen-Randnotiz: Die klassische Cog-Aufnahme (Zug vor Bergpanorama) gelingt nicht aus dem Zug, sondern von der Marshfield Base Station, wo die Züge wenden. Wer nicht mitfährt, kann dort kostenlos zusehen; die Dampf-Morgenfahrt gegen neun ist der Termin.
Häufige Fragen zu den Bahnen
Muss man die Cog Railway reservieren?
In der Laubsaison unbedingt: Wochen im Voraus. Im Sommer reichen meist einige Tage Vorlauf; die erste Morgenfahrt ist zuerst weg.
Ist die Cog Railway etwas für Kinder?
Ja, gerade für sie: eine Stunde bergauf im kippenden Wagen, oben Nebel oder Fernblick. Nur windempfindliche Mitfahrer setzen sich in die Wagenmitte.
Fahren die Züge bei schlechtem Wetter?
Die Bahnen fahren fast immer, nur sieht man vom Mount Washington dann nichts. Bei bedecktem Gipfel lieber auf den Conway Scenic ausweichen, der unter der Wolkendecke bleibt.
Ersetzt der Downeaster den Mietwagen?
Nur auf der Achse Boston–Portland. Für alles Übrige (Berge, Halbinseln, Dörfer) bleibt das Auto ohne echte Alternative.
Preislich liegen die Erlebnisfahrten zwischen 25 Dollar (Essex) und gut 90 (Cog Railway), Kinder zahlen etwa die Hälfte. Ein Hinweis für Dampf-Enthusiasten: Die Cog fährt ihre historischen Dampfloks meist nur auf der ersten Morgenfahrt: wer das Original will, bucht die früheste Abfahrt und fragt beim Ticketkauf ausdrücklich nach.