Unterwegs im Nordosten

Routenvorschläge für Neuengland

Neuengland ist Roadtrip-Land: kurze Etappen, dichte Sehenswürdigkeiten, und hinter jeder zweiten Kurve ein Ort, für den sich das Anhalten lohnt.

Sechs gemalte Reise-Vignetten Neuenglands: Leuchtturm, Bergbahn, Farm, Stadt, Villa und Hafen
Sechs Gesichter einer Region, die Routen verbinden sie

Die Entfernungen täuschen: Von Boston nach Bar Harbor sind es keine 500 Kilometer, von der Küste in die White Mountains keine drei Stunden. Deshalb funktionieren hier Routen, die in anderen US-Regionen eine Woche kosten würden, in fünf bis zehn Tagen; vorausgesetzt, man widersteht der Versuchung, alles auf einmal zu wollen. Die drei Strecken auf dieser Seite sind bewusst unterschiedlich gebaut: eine fürs Meer, eine für den Herbst, eine für den Gaumen.

Alle Etappen-Tabellen nennen bewusst Übernachtungs-ANZAHLEN statt Hotels: Die Ortswahl ist die planerische Entscheidung, das Haus danach Geschmackssache, und die Unterkunfts-Gattungen samt Preisen stehen zentral in der Reiseplanung.

Die Küstenroute: Boston nach Bar Harbor (10 Tage)

Der Klassiker. Von Boston über Salem und Portsmouth die Küste hinauf, dann das lange, zerklüftete Ufer Maines: Portland mit seinem Old Port, die Halbinseln um Boothbay Harbor, Camden mit dem Blick vom Mount Battie, und am Ende der Acadia-Nationalpark auf Mount Desert Island, wo die Park Loop Road und der Sonnenaufgang vom Cadillac Mountain den Schlusspunkt setzen. Wer nur eine Neuengland-Reise macht, macht meistens diese.

EtappeStreckeÜbernachtungen
Boston2
Boston → Portsmouthca. 100 km, über Salem & Newburyport1
Portsmouth → Portlandca. 85 km2
Portland → Camdenca. 130 km, Umwege auf die Halbinseln2
Camden → Bar Harbor / Acadiaca. 120 km3

Beste Monate für die Küstenroute: Juni, September und die erste Oktoberhälfte; der Hochsommer funktioniert auch, bringt aber volle Häfen und Hochsaisonpreise mit.

Herbstzauber: eine Woche Laubfärbung (7 Tage)

Die Route für den Indian Summer folgt der Farbwelle durch Vermont und New Hampshire: Green Mountains, Stowe, dann über den Kancamagus Highway (die vielleicht schönste Herbststraße der USA) in die White Mountains und zurück Richtung Küste. Diese Strecke ist so gefragt, dass sie eine eigene, ausführliche Seite bekommen hat, mit Tagesetappen und dem Timing der Färbung: Herbst in Neuengland: Routenvorschlag für eine Woche.

Neuengland für Feinschmecker (5 Tage)

Ahornsirup direkt von der Sugar Shack, Hummer am Kai, Cheddar aus Grafton, dazu die Diners, die seit den Fünfzigern dasselbe Frühstück braten: Die kulinarische Rundreise nimmt das Essen als Wegweiser und die Landschaft als Beifang. Die vollständige Strecke mit allen Stationen steht unter Neuengland für Feinschmecker.

Und wenn die Woche schon verplant ist? Alle drei Strecken lassen sich kombinieren oder kürzen: Die Küstenroute endet notfalls in Camden statt Bar Harbor (spart zwei Tage), die Herbstwoche funktioniert auch als Fünf-Tage-Kern, und die Genussroute legt sich als Diagonale über beide. Wichtiger als die Streckenwahl ist die Richtung: im Oktober immer von Nord nach Süd, der Färbung hinterher.

Zur Einordnung der drei Vorschläge: Sie sind bewusst unterschiedlich dosiert. Die Küstenroute ist die vollständigste (und meistgefahrene), die Herbstwoche die planungsintensivste (Buchungsvorlauf!), die Genussroute die entspannteste; sie funktioniert sogar als Anhängsel einer Geschäftsreise nach Boston. Gemeinsam ist allen dreien der Rundkurs ab Boston und die Faustregel von höchstens 130 Kilometern pro Fahrtag.

Das Handwerk der Etappenplanung

Drei Regeln stecken hinter allen Vorschlägen dieser Seite. Erstens: Übernachtungen bündeln, jede zweite Nacht am selben Ort spart das tägliche Kofferpacken und öffnet die Abende. Zweitens: Fahrzeit ehrlich rechnen: Google Maps kennt weder den Farmstand-Stopp noch die Foliage-Kolonne; auf Landstraßen gilt Schnitt 50 km/h, im Oktober weniger. Drittens: den letzten Tag leer lassen: die Rückfahrt nach Boston plus Puffer für den Flug ist ein eigener Tagespunkt, kein Anhängsel. Wer diese drei Regeln auf eine eigene Strecke anwendet, braucht unsere Vorschläge nur noch als Steinbruch.

Was alle drei Strecken bewusst auslassen: den Süden. Rhode Island und Connecticut sind als vierte Route denkbar (Newport, Mystic, New Haven in vier Tagen), und wer über New York anreist, baut sie als Auftakt ein. Auf den Kernrouten fehlen sie nur, weil zehn Tage sonst zwölf würden; die Staaten-Porträts liefern die Bausteine für den Eigenbau.

Häufige Fragen zu den Routen

Welche Route für die erste Reise?

Die Küstenroute; sie zeigt mit Boston, Leuchttürmen und Acadia das breiteste Neuengland. Die Herbstwoche schlägt sie nur, wenn die Reise ohnehin im Oktober liegt.

Kann man die Routen auch andersherum fahren?

Die Küsten- und Genussroute ja, ohne Verlust. Die Herbstroute nicht, sie ist auf die Nord-Süd-Wanderung der Laubfärbung gebaut.

Einweg-Mietwagen oder Rundkurs?

Alle drei Vorschläge sind als Rundkurse ab Boston angelegt: Einweg-Gebühren entfallen. Wer Zeit spart, fliegt trotzdem besser in Boston ein und aus.

Wie fest sollte man Unterkünfte vorbuchen?

Im Oktober: alle, vor dem Flug. Im Sommer: die Küstenorte. Im Rest des Jahres reicht eine Woche Vorlauf: dann bleibt Raum, eine Etappe spontan zu verlängern.

Wie viel Strecke pro Tag vernünftig ist

Die Routen oben rechnen mit höchstens 130 Kilometern pro Fahrtag. Das klingt nach wenig, ist aber der Punkt, an dem die meisten Planungen kippen: Neuenglands Landstraßen sind kurvig, die Ortsdurchfahrten langsam, und die eigentliche Reise besteht aus dem, was zwischen den Etappen liegt; dem Farmstand, dem Leuchtturm-Abstecher, der überdachten Brücke. Wer 400-Kilometer-Tage plant, fährt an Neuengland vorbei, statt hindurch. Praktische Fragen zu Mietwagen, Reisezeit und Budget beantwortet die Reiseplanung; was unterwegs lohnt, sammelt die Übersicht der Unternehmungen.