Die White Mountains
Fast ein Viertel des Staates gehört zum White Mountain National Forest; ein Gebirgsblock aus achtundvierzig Viertausender-Fuß-Gipfeln (nach hiesiger Zählung: alles über 4.000 Fuß, also rund 1.220 Meter), zerschnitten von tiefen Tälern, die hier Notches heißen. Franconia Notch, Crawford Notch und Pinkham Notch sind zugleich die drei landschaftlichen Hauptachsen: Wer nur einen Tag hat, fährt den Franconia Notch State Park an, geht die hölzernen Stege der Flume Gorge ab und nimmt den Aerial Tramway auf den Cannon Mountain.
Mount Washington, der Berg mit dem schlechtesten Wetter
Mit 1.917 Metern ist der Mount Washington der höchste Punkt des amerikanischen Nordostens, und er trägt seinen Ruf nicht zufällig: 1934 maß das Gipfelobservatorium 372 km/h Wind: über sechs Jahrzehnte der stärkste je auf der Erdoberfläche gemessene Wert. Hinauf führen drei Wege: zu Fuß (anspruchsvoll, nur bei stabilem Wetter), über die private Mount Washington Auto Road, und mit der Cog Railway von 1869, der ersten Zahnrad-Bergbahn der Welt. Die Bahn ist teuer (um die 90 Dollar), aber sie ist eines dieser Erlebnisse, die man nicht kürzen sollte: Details unter Mit dem Zug durch Neuengland.
Der Kancamagus Highway
55 Kilometer ohne eine einzige Tankstelle, Ortschaft oder Werbetafel: Der „Kanc“ zwischen Lincoln und Conway gilt als schönste Herbststraße der USA, und im Oktober bewegt sich die Kolonne entsprechend im Schritttempo. Die Aussichtspunkte (Sugar Hill Overlook, Hancock Overlook, die Albany Covered Bridge als Abstecher) liegen so dicht, dass man für die Strecke einen halben Tag rechnen darf. Er ist das Herzstück des Herbst-Routenvorschlags.
Küste und Städte
Die 29 Küstenkilometer zwischen Massachusetts und Maine nutzt New Hampshire effizient: Hampton Beach fürs Volksfest-Format, Rye für die stillen Abschnitte, und am Nordende Portsmouth; eine der schönsten Kleinstädte Neuenglands, mit georgianischen Kapitänshäusern, dem Strawbery-Banke-Freilichtmuseum und einer Restaurantdichte, die Städte dreifacher Größe blass aussehen lässt. Steuerfreies Einkaufen (New Hampshire erhebt keine Sales Tax) macht die Outlets von North Conway zum Pflichtstopp vieler Reisender; ob man das als Attraktion zählt, ist Geschmackssache.
Basisort-Empfehlung für Erstbesucher: North Conway, zentral zu Kancamagus und Washington, mit der größten Auswahl an Betten und Restaurants. Wer es stiller mag, wohnt in Jackson und nimmt die zehn Minuten Mehrweg in Kauf.
Die Seenplatte: das übersehene Drittel
Zwischen Küste und White Mountains liegt die Lakes Region um den Lake Winnipesaukee, mit 180 Quadratkilometern der größte See des Staates und seit über einem Jahrhundert das Sommerrevier der Neuengländer selbst. Wolfeboro am Ostufer nennt sich „ältester Sommerkurort Amerikas“ (die Sommerfrische begann hier 1768), und die M/S Mount Washington (ein 70-Meter-Ausflugsschiff) dreht von Mai bis Oktober ihre Runden zwischen den Häfen. Für Reisende ist die Region das ideale Bindeglied: eine Übernachtung am See bricht die Fahrt von Boston in die Berge, und der Kontrast zwischen Badesteg-Sommer und Notch-Wildnis am selben Tag ist sehr New Hampshire.
Der Staat trägt übrigens das älteste Motto-Nummernschild des Landes („Live Free or Die“) und meint es administrativ ernst: keine Sales Tax, keine Einkommensteuer auf Löhne. Das erklärt die Outlet-Dichte an den Grenzen und die Wohnmobil-Kennzeichen aus Massachusetts auf jedem Parkplatz.
Praktisch
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Beste Reisezeit | Laubfärbung ca. 25. Sept. – 15. Okt.; Ski Dez. – März |
| Anreise | ab Boston 2 – 2,5 h bis in die White Mountains |
| Zeitbedarf | 2 – 4 Tage |
| Basisorte | North Conway, Lincoln, Jackson |
Wandern zwischen den Notches
Für Reisende ohne Bergerfahrung sind drei Ziele die verlässlichen Einstiege: die Flume Gorge (zwei Kilometer Stege durch die Klamm, jedes Alter), der Artists Bluff über dem Echo Lake (zwanzig Minuten steil hinauf, der Postkartenblick über Franconia Notch) und der Diana's Baths bei North Conway, eine Kaskadenkette mit flachem Zustieg. Wer mehr will, nimmt den Mount Willard ab Crawford Notch; neunzig Minuten hinauf, und die Aussicht über das Tal gilt als bestes Verhältnis von Aufwand zu Belohnung der White Mountains. Ernsthafte Gipfel wie die Franconia Ridge sind alpine Touren mit Wetterrisiko und gehören nur mit Ausrüstung und stabiler Prognose in den Reiseplan.
Merksatz für die Planung: New Hampshire ist der Staat der Höhepunkte im Wortsinn: Wer Gipfel, Notches und Bahnen will, ist hier richtig; wer Dörfer sucht, wechselt über den Fluss nach Vermont.
Häufige Fragen zu New Hampshire
Lohnt der Mount Washington bei bedecktem Himmel?
Ehrlich: nein. Der Gipfel steht an über 300 Tagen im Jahr zeitweise in Wolken, die Auffahrt macht nur bei Sicht Sinn. Morgens entscheiden, flexibel bleiben.
Cog Railway oder Auto Road?
Die Zahnradbahn ist das Erlebnis (und teurer), die Auto Road die flexible Variante mit eigenen Stopps. Wer schwindelfrei fährt, nimmt die Straße hinauf und gibt das Gesparte fürs Abendessen aus.
Wie viel Zeit für die White Mountains?
Zwei volle Tage decken Franconia Notch und den Kancamagus ab; mit Mount Washington und Wanderung werden es drei bis vier.
Was bedeutet die fehlende Sales Tax praktisch?
Alles im Laden kostet exakt den Preisschild-Preis: im Rest Neuenglands kommen 6–7 % dazu. Bei Outdoor-Ausrüstung und Elektronik macht das die Outlets von North Conway rechnerisch interessant.
Wer aus den Bergen kommt, hat es nach Westen nicht weit: hinter dem Connecticut River beginnt Vermont; derselbe Breitengrad, ein völlig anderer Charakter.