Was Neuengland USA eigentlich ist
Jede Übersicht über Neuengland beginnt sinnvollerweise beim Namen: Er stammt von Kapitän John Smith, der die Küste 1614 kartierte und sie „New England“ taufte; sechs Jahre bevor die Mayflower in Plymouth landete. Heute bezeichnet Neuengland USA die sechs Bundesstaaten Maine, New Hampshire, Vermont, Massachusetts, Rhode Island und Connecticut: rund 186.000 Quadratkilometer zwischen der kanadischen Grenze und dem Long Island Sound, mit etwa 15 Millionen Einwohnern, von denen die Hälfte im Großraum Boston lebt. Es ist die einzige US-Region mit einem historisch gewachsenen, allgemein anerkannten Namen, kein Bundesstaat heißt „Neuengland“, und doch weiß jeder Amerikaner exakt, was gemeint ist. Für den Einstieg genügt diese Seite; die Tiefe liefern die verlinkten Einzelseiten.
Für Reisende aus Europa fühlt sich die Region vertrauter an als der Rest des Landes: kompakte Distanzen, Dörfer mit Kirchturm und Dorfwiese, Landstraßen statt zehnspuriger Highways. Gleichzeitig ist sie durch und durch amerikanisch: die Revolution begann hier, der Walfang, die Ivy League, der Baseball.
Die Staaten in der Übersicht: sechs Charaktere
Wer Neuengland USA zum ersten Mal plant, unterschätzt fast immer, wie verschieden die Nachbarn sind. Wie unterschiedlich die sechs sind, zeigt schon ein Wochenende: morgens Hummerboote in Maine, mittags Seilbahn in den White Mountains, abends Theater in Boston. Als Kurzformel: Maine ist die Wildnis, New Hampshire das Gebirge, Vermont das Ländliche, Massachusetts die Geschichte, Rhode Island der Glanz der Küste, Connecticut der ruhige Süden. Die ausführlichen Porträts mit Karte stehen in der eigenen Übersicht der Neuengland-Staaten; wer die Region zum ersten Mal plant, beginnt am besten dort.
Sehenswert: womit man rechnen darf
Neuengland sammelt keine einzelne Weltattraktion, sondern Dichte; sehenswert ist hier weniger das Einzelziel als das Nebeneinander. Sehenswert sind vor allem fünf Dinge: die Küste (5.000 Kilometer, wenn man jeder Bucht folgt, mit dem Acadia-Nationalpark als Höhepunkt), die Berge (Mount Washington, 1.917 m, mit der Zahnradbahn von 1869), die Geschichte (Freedom Trail in Boston, Plymouth, Salem), die Dörfer Vermonts samt ihrer überdachten Brücken, und der Herbst selbst, wenn die Laubfärbung von Mitte September bis Mitte Oktober als Welle von Nord nach Süd läuft. Die komplette Liste mit Bewertungen führt die Seite der besten Attraktionen und Sehenswürdigkeiten.
Vier Jahrhunderte in fünf Absätzen
1620 landete die Mayflower in Plymouth: nicht die erste europäische Siedlung Nordamerikas, aber die, deren Gründungsmythos geblieben ist. In den folgenden hundert Jahren wuchsen um Boston, Providence und New Haven die ersten echten Städte der Kolonien, samt Harvard (1636) als ältester Universität des Kontinents.
Neuengland war dann der Zündfunke der Revolution: die Boston Tea Party 1773, die Gefechte von Lexington und Concord 1775, und mit dem Freedom Trail läuft man die Schauplätze heute in einem Nachmittag ab. Das 19. Jahrhundert machte die Region zur Industriewerkstatt Amerikas (Textilfabriken an den Flüssen, Walfangflotten in New Bedford und Nantucket) und zugleich zu seinem literarischen Gewissen: Thoreau am Walden Pond, Emerson in Concord, Melville in den Berkshires.
Was davon für Reisende übrig ist: eine Dichte an Museen, Kolonialarchitektur und gepflegter Geschichte, die keine andere US-Region erreicht, und ein Selbstverständnis, das sich eher an Europa als am Rest Amerikas orientiert.
Was auf den Tisch kommt
Die Küche Neuenglands ist Küstenküche: Hummer in Maine (am besten als Lobster Roll an einer Shack am Kai), Clam Chowder in Boston, Austern aus der Great Bay, dazu Ahornsirup und Cheddar aus Vermont und im Herbst Apple Cider mit den dazugehörigen Donuts. Fine Dining gibt es in Boston und Portland reichlich, aber das, was man sich merkt, wird fast immer auf Papptellern serviert. Die passende Strecke dazu ist die kulinarische Rundreise.
Reisezeit: das Jahr in vier Fenstern
| Fenster | Charakter | Für wen |
|---|---|---|
| Mitte Sept. – Mitte Okt. | Indian Summer, klare Luft | Erstreisende, Fotografen; früh buchen |
| Juni – August | Strände, Inseln, Wale | Familien, Küstenfans |
| Dez. – März | Schnee, leere Küste | Skifahrer, Ruhesuchende |
| Ende April – Mai | Blüte, wenig Betrieb | Sparfüchse, Wiederkehrer |
Die Details (samt der Mud Season, die man kennen sollte) stehen unter Jahreszeiten, die praktische Seite (Flüge, Mietwagen, Budget) in der Reiseplanung.
Wie viel Zeit die Region braucht
Ein ehrliches Wort zur Planung: New England USA wird oft als Anhängsel einer New-York-Reise gedacht, und keine Übersicht über Neuengland sollte das schönreden, zwei Tage Boston, ein Abstecher ins Laub. Das funktioniert, verschenkt aber das Beste an Neuengland USA. Zehn Tage sind das sinnvolle Minimum für eine Runde aus Stadt, Bergen und Küste; zwei Wochen erlauben Maine bis Acadia. Und wenn Sie nur eine einzige Strecke fahren können, nehmen Sie eine aus den Routenvorschlägen: dort ist die Region bereits in machbare Etappen übersetzt.
Häufige Fragen zu Neuengland USA
Wo liegt Neuengland genau?
Im äußersten Nordosten der USA: nördlich von New York City, östlich des Bundesstaats New York, südlich der kanadischen Provinzen Québec und New Brunswick. Die Atlantikküste bildet die gesamte Ostgrenze.
Welche Staaten gehören zu Neuengland?
Sechs: Maine, New Hampshire, Vermont, Massachusetts, Rhode Island und Connecticut. New York gehört (anders als oft angenommen) nicht dazu.
Was ist die beste Reisezeit für Neuengland?
Für die meisten die Laubfärbung von Mitte September bis Mitte Oktober. Für Strand und Inseln der Hochsommer, für Ski der Januar und Februar. Nur der März und der frühe April lohnen kaum.
Wie kommt man nach Neuengland USA?
Am einfachsten nonstop nach Boston (BOS); ab Frankfurt und München in sieben bis acht Stunden. Danach ist der Mietwagen das Verkehrsmittel der Wahl.
Reicht eine Woche für Neuengland?
Für einen Ausschnitt ja: Boston plus White Mountains, oder Boston plus Küste bis Portland. Die ganze Region in einer Woche zu fahren erzeugt vor allem Kilometer.
Ist Neuengland teuer?
In der Laubsaison und im Küstensommer: ja, vergleichbar mit der Schweiz. In der Nebensaison normalisiert sich das deutlich: Details im Budgetteil der Reiseplanung.
Welcher Flughafen ist der beste Ausgangspunkt?
Boston Logan (BOS), nonstop ab Frankfurt und München erreichbar, zehn Minuten von Downtown, Mietwagenstationen im Terminal. Alternativen mit Umstieg: Bradley bei Hartford (näher an Vermont) und Portland (näher an Maine).
Braucht man zwingend einen Mietwagen?
Für Boston selbst nicht: die U-Bahn und die Wege zu Fuß reichen. Für alles jenseits der Stadt ja: Die Region ist Selbstfahrer-Land, und die schönsten Ziele liegen abseits der Bahnlinien. Details in der Reiseplanung.
Welche Spezialitäten sollte man probieren?
Lobster Roll und Clam Chowder an der Küste, Ahornsirup und gereifter Cheddar in Vermont, im Herbst Apple Cider Donuts vom Farmstand. Wer das Essen zur Route machen will: die kulinarische Rundreise oben im Text.
Welche Kleidung gehört in den Koffer einer Herbstreise?
Schichten: T-Shirt, Fleece, Regenjacke, feste Schuhe. Oktobertage schwanken zwischen 8 und 18 Grad, die Nächte gehen gegen null; dieselbe Packliste steht ausführlicher beim Herbst-Routenvorschlag.
Warum heißt der Herbst dort Indian Summer?
Der Begriff bezeichnet im amerikanischen Englisch eigentlich eine spätwarme Schönwetterphase im Herbst; im deutschen Sprachraum steht er für die Laubfärbung Neuenglands insgesamt. Wie man sie am besten erlebt, zeigt der Routenvorschlag für eine Herbstwoche.
Braucht man für New England USA ein Visum?
Für New England USA gilt dieselbe Regel wie für das ganze Land: Deutsche, österreichische und Schweizer Staatsangehörige reisen mit ESTA ein (21 Dollar, zwei Jahre gültig, online beantragt). Ein klassisches Visum ist nur in Sonderfällen nötig.