Das grüne Gebirge

Vermont – Green Mountains, Ahornsirup und Bilderbuchdörfer

Kein McDonald's-Drive-in in der Hauptstadt, keine Werbetafeln an den Straßen (per Gesetz seit 1968), dafür mehr Kühe pro Kopf als irgendwo sonst im Nordosten. Vermont ist Neuenglands ländliches Gewissen.

Herbstlich gefärbte Waldhügel in Vermont
Die Green Mountains in der ersten Oktoberwoche

Dörfer, die aussehen wie ihre Postkarten

Woodstock, Grafton, Weston, Peacham: Vermonts Dörfer sind der Inbegriff dessen, was man sich unter Neuengland vorstellt — weiße Kirchtürme, Village Greens, General Stores mit Holzdielen. Das ist kein Zufall, sondern Politik: strenge Bauvorschriften, das landesweite Werbetafel-Verbot und eine Landwirtschaft, die die Hügel offen hält. Peacham im Northeast Kingdom gilt als meistfotografiertes Dorf der Laubfärbungssaison; wer es im Oktober besucht, versteht sofort, warum, und teilt sich den Hügel mit zwanzig Stativen.

Wer nur einen einzigen Vermont-Tag hat, fährt die Achse Woodstock–Quechee: Dorf, Farm, Schlucht und zwei Brücken in acht Stunden; das Konzentrat des Staates.

Ahornsirup, das flüssige Wappen

Vermont produziert rund die Hälfte des amerikanischen Ahornsirups, gut zwei Millionen Gallonen im Jahr. Angezapft wird von Februar bis April, wenn die Nächte frostig und die Tage mild sind; dann steigen aus den Sugar Shacks die Dampfwolken. Viele Betriebe, etwa Morse Farm bei Montpelier oder Sugarbush Farm bei Woodstock: lassen sich ganzjährig besuchen und verkosten die vier offiziellen Farbklassen von Golden bis Very Dark. Der Sirup ist auch der rote Faden der kulinarischen Route: Neuengland für Feinschmecker.

Green Mountains: Stowe und die Skiberge

Der Gebirgszug, der dem Staat den Namen gibt (vert mont; grüner Berg), zieht sich als Rückgrat von Massachusetts bis Kanada. Stowe am Fuß des Mount Mansfield (1.339 m, höchster Punkt Vermonts) ist im Winter das eleganteste Skidorf des Ostens und im Herbst einer der besten Foliage-Standorte überhaupt; Killington ist das größere, sportlichere Skigebiet. Im Sommer übernehmen Wanderer den Long Trail, den ältesten Fernwanderweg der USA (1910–1930 angelegt, 439 Kilometer über den Hauptkamm).

Überdachte Brücken und der Rest

Über hundert Covered Bridges stehen in Vermont, höchste Dichte des Landes. Ein Umweg über die West Arlington Bridge (an der Norman Rockwell hier lebte) oder die drei Brücken um Woodstock gehört in jede Route; die Übersicht dazu: Überdachte Brücken. Burlington am Lake Champlain, die einzige „Großstadt“ (45.000 Einwohner), liefert mit der Church Street Marketplace und Seeblick auf die Adirondacks den urbanen Kontrapunkt, und Ben & Jerry's lässt sich in Waterbury in der Originalfabrik besichtigen.

Basisort-Frage: Woodstock für den Süden, Stowe für den Norden: beide teuer im Oktober, beide jede Ausgabe wert. Die Budget-Alternative heißt Montpelier, die kleinste Hauptstadt der USA, zentral und ohne Aufschlag.

Das Northeast Kingdom: Vermont im Konzentrat

Die drei Countys im Nordosten, seit einer Senatorenrede von 1949 nur noch „das Königreich“ genannt, sind Vermont ohne Publikum: Hügelketten, Weiler mit einem einzigen General Store, Seen wie der fjordartige Lake Willoughby, der zwischen zwei Steilwänden liegt wie ein norwegischer Import. Hierher fahren die Foliage-Fotografen Ende September, eine gute Woche vor der Hauptwelle im Rest des Staates: Peacham, Craftsbury Common und die Straßen um Barnet sind die klassischen Motive. Unterkünfte sind rar und klein; wer im Königreich übernachten will, bucht früher als überall sonst in Vermont oder fährt als Tagesschleife von Stowe aus (eine gute Stunde).

Und noch eine Vermont-Eigenheit, die Reisende praktisch betrifft: Der Staat erlaubt keine Werbetafeln, aber auch kaum Straßenbeleuchtung außerhalb der Orte. Nachtfahrten über die Back Roads sind stockdunkel und wildreich; die letzten dreißig Kilometer zum Inn plant man besser vor die Dämmerung.

Praktisch

FrageAntwort
Beste ReisezeitLaubfärbung ca. 20. Sept. – 10. Okt.; Sirup-Saison Feb. – April
Anreiseab Boston ca. 3 h nach Woodstock, 3,5 h nach Stowe
Zeitbedarf2 – 4 Tage
AchtungMud Season (März/April): unbefestigte Straßen meiden

Farmbesuche, die sich lohnen

Vermonts Höfe sind auf Besucher eingestellt wie sonst nur Weingüter: Bei Sugarbush Farm (Woodstock) führt der Rundgang durch Räucherkammer und Sirup-Klassen, Billings Farm nebenan hält Jersey-Herde und Museum, die Cabot-Genossenschaft verkostet ihren Cheddar in mehreren Farmstores, und wer im Herbst reist, sammelt an den Ständen der Champlain-Region Äpfel, Cider und Donuts direkt vom Erzeuger. Der praktische Wert für die Route: Farmen sind wetterfest, kinderfreundlich und kosten wenig bis nichts: das ideale Gegengewicht zu Aussichtstagen. Und sie erklären nebenbei, warum diese Landschaft so aussieht, wie sie aussieht: Ohne die Milchwirtschaft wären Vermonts offene Hügel längst zugewachsen.

Häufige Fragen zu Vermont

Wann ist die Laubfärbung in Vermont am schönsten?

In den meisten Jahren zwischen dem 25. September und dem 10. Oktober, im Northeast Kingdom früher als im Süden. Die Foliage-Reports der Woche vor Anreise sind verlässlicher als jede Langfrist-Prognose.

Welche Dörfer lohnen am meisten?

Woodstock als Klassiker, Grafton für die Stille, Peacham für das Foto, Weston für den Vermont Country Store. Zwei davon reichen, sie ähneln sich mehr, als die Fotos zulassen.

Was ist die Mud Season?

Die Schneeschmelze im März/April, wenn unbefestigte Straßen unpassierbar werden und viele Betriebe Pause machen. Als Reisezeit die schwächsten Wochen des Jahres.

Lohnt die Ben-&-Jerry’s-Fabrik?

Als halbstündiger Stopp mit Verkostung: ja, besonders mit Kindern. Als Hauptziel: nein: die Sirup-Farmen erzählen die bessere Vermont-Geschichte.

Ist Burlington einen Umweg wert?

Für Seeblick, Church Street und Craft-Bier: ein halber Tag. Wer nur eine Woche hat, bleibt aber besser im Dörfer-Dreieck Woodstock–Stowe–Montpelier.

Östlich des Connecticut River wartet das Kontrastprogramm aus Granit und Höhenmetern: New Hampshire.