Newport: der Glanz des Gilded Age
Ende des 19. Jahrhunderts bauten die Vanderbilts, Astors und Berwinds ihre „Sommerhäuschen“ auf die Klippen von Newport: Marmorpaläste mit siebzig Zimmern, die nur sechs Wochen im Jahr bewohnt wurden. The Breakers (1895, für Cornelius Vanderbilt II) ist das prunkvollste und heute die meistbesuchte Attraktion des Staates; The Elms und Marble House stehen ihm wenig nach. Am schönsten verbindet man die Besichtigung mit dem Cliff Walk: fünfeinhalb Kilometer Klippenpfad, links der Atlantik, rechts die Rasenflächen der Villen. Newport war übrigens Austragungsort des America's Cup von 1930 bis 1983, die Segeltradition lebt im Hafen bis heute.
Falls die Reisekasse zum Thema wird: Rhode Island ist der günstigste Küstenstaat der Region: außerhalb Newports kosten Betten und Strände spürbar weniger als in Massachusetts.
Providence: die unterschätzte Hauptstadt
Providence hat, was vielen US-Städten fehlt: eine intakte, fußläufige Altstadt (Benefit Street führt an über hundert Kolonialhäusern vorbei), die Brown University samt der Kunsthochschule RISD, deren Museum allein den Stopp wert ist, und mit WaterFire eine Eigenheit, die man gesehen haben muss, an ausgewählten Abenden von Mai bis November brennen über hundert Feuerkörbe mitten im Fluss, dazu Musik und Gondeln. Kulinarisch trägt die Stadt das Erbe der größten italienischen Community Neuenglands: Federal Hill ist ihr North End, nur ohne den Andrang Bostons.
Der Villen-Eintritt lässt sich übrigens bündeln: Das Kombiticket der Preservation Society deckt mehrere Häuser ab und rechnet sich ab der zweiten Besichtigung, online gekauft ohne Schlange.
Strände und Block Island
Die Südküste um Narragansett und Westerly stellt die besten Sandstrände Neuenglands nördlich von Cape Cod: East Matunuck und Misquamicut sind die Namen, die man sich merkt. Dreizehn Fährkilometer vor der Küste liegt Block Island: ein Sommerziel im Maßstab eines Fahrrads, mit den Mohegan Bluffs (45 Meter Lehmklippen) und zwei Leuchttürmen. Tagesausflug ab Point Judith, in der Saison stündliche Fähren.
Anreise-Randnotiz: Newport hat keinen Bahnhof: der Staat ist reines Autoland. Dafür entschädigt die Zufahrt selbst: Die Brücke über die Narragansett Bay gehört zu den schönsten Ankünften Neuenglands, besonders in der Abendsonne.
Newport jenseits der Villen
Die Stadt selbst wird gern übersprungen; zu Unrecht. Am Hafen steht mit dem White Horse Tavern von 1673 eine der ältesten durchgehend betriebenen Gaststätten der USA, die Touro-Synagoge von 1763 ist die älteste des Landes, und die Thames Street dahinter ist im Sommer eine einzige maritime Flaniermeile. Wer segeln will, bucht eine Ausfahrt auf einer der ehemaligen America's-Cup-Yachten, die heute Gäste mitnehmen, zwei Stunden Narragansett Bay unter Originalsegeln, und die Villen zeigen sich von ihrer gedachten Seite: vom Wasser aus.
Kulinarisch hat der kleinste Staat eigene Klassiker, die es nur hier gibt: Clam Cakes mit Chowder am Strand von Narragansett, Del's Frozen Lemonade aus dem Becher, und die „Stuffies“ (gefüllte Riesenmuscheln) als Barsnack. Nichts davon kostet mehr als zehn Dollar, alles davon gehört zum Pflichtprogramm eines Sommertags.
Praktisch
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Beste Reisezeit | Juni – September; Newport-Villen ganzjährig |
| Anreise | ab Boston 1,5 h nach Newport; ab Providence 45 min |
| Zeitbedarf | 1 – 3 Tage |
| Tipp | Cliff Walk früh morgens gehen: mittags wird er voll |
Klein heißt übrigens nicht kurz: Der Staat misst keine 80 Kilometer in der Länge, aber die Küstenlinie summiert sich durch die Narragansett Bay auf über 600 Kilometer; daher der Beiname Ocean State. Praktisch bedeutet das: Nichts liegt weiter als eine Stunde auseinander, und Newport, Providence und die Strände lassen sich ohne Hotelwechsel kombinieren.
Ein Tag, der den Staat erzählt
Morgens Providence: Kaffee an der Benefit Street, dann die Kolonialhäuser hinunter zum Fluss. Mittags nach Newport (45 Minuten): The Breakers als Pflichtvilla, danach der Cliff Walk, so weit die Füße wollen. Am späten Nachmittag Thames Street und ein Hafen-Abendessen: Stuffies bestellen, einmal im Leben. Wer im Sommer reist und einen zweiten Tag hat, hängt Block Island an; wer im Mai oder Oktober kommt, hat die Villen fast für sich. Der ganze Staat passt in ein Wochenende, und genau das macht ihn zum idealen Baustein zwischen Boston und Connecticut, ein kompletter Charakterwechsel für den Preis einer Stunde Fahrt.
Häufige Fragen zu Rhode Island
Wie viele Villen sollte man in Newport besichtigen?
Zwei, höchstens drei: The Breakers plus eine kleinere wie The Elms. Danach wiederholt sich der Marmor; der Cliff Walk dazwischen ist die bessere Fortsetzung.
Lohnt Block Island als Tagesausflug?
Ja: Fähre ab Point Judith, Fahrrad mieten, Mohegan Bluffs und die zwei Leuchttürme: das füllt einen Sommertag perfekt. Übernachten ist Sommer-Luxus mit entsprechenden Preisen.
Was ist WaterFire genau?
Eine Installation aus über hundert Feuerkörben mitten im Fluss von Providence, an ausgewählten Abenden von Mai bis November, mit Musik und Gondeln; kostenlos und den Abendaufenthalt wert.
Braucht Rhode Island eine eigene Übernachtung?
Auf einer großen Rundreise reicht ein voller Tag mit Newport-Schwerpunkt. Wer Strände und WaterFire mitnehmen will, bleibt eine Nacht in Providence oder Newport.
Rhode Island passt als Zwischenstation auf der Fahrt von Boston nach Connecticut, oder als eigener Küstentag auf der Rundreise.