Wächter der Küste

Neuenglands einzigartige Leuchttürme

Über 180 Leuchttürme säumen die Küste zwischen Connecticut und der kanadischen Grenze; mehr als in jeder anderen US-Region. Einige sind Postkarte geworden, andere warten noch darauf.

Pemaquid Point Light auf den gestreiften Gneis-Bändern der Küste Maines
Pemaquid Point: der Turm auf den Gneis-Wellen, Motiv der Maine-Münze

Die Auswahl unten folgt einem einfachen Kriterium: Jeder dieser vier Türme trägt einen ganzen Stopp: durch Lage, Geschichte oder Kulisse. Danach kommen Route, Turmkunde und die Fragen, die vor Ort immer auftauchen.

Die vier, die man gesehen haben sollte

Portland Head Light (Cape Elizabeth, Maine)

Der meistfotografierte Leuchtturm der USA, 1791 unter George Washington in Dienst gestellt. Er steht im frei zugänglichen Fort Williams Park; das ehemalige Wärterhaus beherbergt ein kleines Museum. Bestes Licht: früher Morgen, wenn die Sonne aus dem Atlantik direkt auf die Klippen fällt.

Wer früh startet, hat Portland Head gegen acht noch mit Fischerbooten statt Reisebussen im Vordergrund, und schafft danach bequem den Rest der Tagesroute.

Pemaquid Point Light (Maine)

Der dramatischste: Der Turm von 1835 steht auf Gneis-Bändern, die wie erstarrte Wellen ins Meer laufen; das Motiv, das Maines 25-Cent-Münze trägt. Der Turm ist besteigbar (kleiner Eintritt), und die Felsplatten darunter sind die halbe Attraktion; bei Brandung Abstand halten, die Gischt kommt weiter, als man denkt.

Pemaquid lohnt zudem als Doppelziel: Direkt am Parkplatz liegt das Fishermen's Museum im alten Wärterhaus, und die Bucht dahinter gehört zu den besten Gezeitentümpel-Revieren der Küste: Kinder verlieren hier jedes Zeitgefühl.

Bass Harbor Head Light (Acadia, Maine)

Der einzige Leuchtturm auf Mount Desert Island, in die Felsen der stillen Westseite gebaut. Zum Sonnenuntergang klettert halb Acadia über die Granitblöcke unterhalb; wer den klassischen Blick will, kommt eine Stunde früher.

Nubble Light (York, Maine)

Auf einer winzigen Felsinsel dreißig Meter vor der Küste, komplett mit viktorianischem Wärterhaus, so pittoresk, dass die NASA ein Bild des Nubble 1977 auf der Voyager- Goldenen-Schallplatte ins All schickte, als Beispiel menschlicher Küstenarchitektur. Anfahrt kurz hinter der Grenze zu New Hampshire; ideal als erster Stopp der Küstenroute.

Die vier Empfehlungen oben liegen alle an oder nahe der Route 1: die Tagesroute unten verbindet sie in fahrbarer Reihenfolge, mit ehrlichen Zeiten statt Wunschwerten.

Eine Leuchtturm-Tagesroute für Maine

StationFahrzeit ab vorherigerAufenthalt
Nubble Light, York1,5 h ab Boston30 min
Portland Head Light1 h1 h + Parkspaziergang
Spring Point Ledge (South Portland)15 min30 min; auf der Mole bis zum Turm
Pemaquid Point1,5 h1 h, Turm besteigen

Vier Türme, ein Tag, null Hektik, und abends steht man in Boothbay Harbor oder Damariscotta für das Hummer-Abendessen. Wer weiter nach Acadia zieht, hebt sich Bass Harbor für den Sonnenuntergang dort auf.

Noch ein Wort zur Erwartung: Ein Leuchtturm-Besuch dauert selten länger als eine Stunde, und genau darin liegt seine Stärke, es sind Wegmarken, die eine Küstenfahrt rhythmisieren, keine Halbtagesziele. Die Tagesroute unten reiht vier davon so, dass zwischen ihnen Zeit für Häfen, Mittagessen und Umwege bleibt.

Kleine Turmkunde für den Weg

Wer mehrere Türme abfährt, beginnt Muster zu sehen, und die Küste erzählt darüber ihre Baugeschichte. Die gedrungenen Steintürme des 18. Jahrhunderts (Portland Head) stehen auf Landspitzen, wo Baumaterial anlandbar war; die schlanken gusseisernen Röhren des 19. Jahrhunderts markieren die gefährlichen Außenriffe; und die „Sparkplug“-Türme (gusseiserne Zylinder auf Caisson-Fundamenten mitten im Wasser) bewachen die Hafeneinfahrten, in Portland etwa das Spring Point Ledge Light, zu dem man über eine 300-Meter-Granitmole hinauslaufen kann. Fast alle Optiken von damals, die berühmten Fresnel-Linsen, sind heute durch LED-Leuchten ersetzt; einige Originale stehen zum Anfassen nah im Maine Lighthouse Museum in Rockland.

Und weil die Frage immer kommt: Bewohnt sind die Türme nicht mehr: der letzte bemannte Leuchtturm Neuenglands (Boston Light, der älteste Leuchtturmstandort der USA, seit 1716) wurde als allerletzter des Landes erst 1998 automatisiert und hält aus Tradition bis heute eine zivile „Keeper“-Stelle.

Gut zu wissen vor dem Besuch

Wer südlich der Maine-Küste sucht, wird ebenfalls fündig: Nobska Light bewacht die Fähren nach Martha's Vineyard, Beavertail Light in Rhode Island steht seit 1749 an Position drei der ältesten Leuchtturm-Standorte des Landes, und die „Sparkplugs“ im Long Island Sound sammelt man am besten per Ausflugsboot ab New London.

Häufige Fragen zu den Leuchttürmen

Kann man Leuchttürme besteigen?

Nur wo Fördervereine Führungen anbieten: Pemaquid Point regelmäßig, Portland Head nur an wenigen Terminen. Der Reiz liegt ohnehin meist am Fuß des Turms, nicht oben.

Welcher Leuchtturm lohnt bei nur einem Stopp?

Portland Head Light: das große Motiv, freier Park, Museum, und nur zwanzig Minuten von Portland. Nubble Light ist die schnellste Alternative direkt an der Route 1.

Wann ist das Licht am besten?

Früher Morgen; die Sonne steht über dem Atlantik und trifft die Türme frontal. Für Sturm- und Gischtbilder: nach Herbststürmen bei ablaufendem Wind.

Kann man in einem Leuchtturm übernachten?

In einigen: das Keeper’s House am Pemaquid Point und mehrere Inseltürme Maines vermieten Wärterwohnungen: Monate im Voraus zu buchen.

Fast alle Türme arbeiten noch als aktive Seezeichen der Küstenwache, das Gelände ist meist zugänglich, der Turm selbst nur dort, wo Fördervereine Führungen anbieten (Pemaquid regelmäßig, Portland Head nur an wenigen Terminen im Jahr). Im Winter sind die Parks offen und leer; die Kombination aus Schnee, Gischt und Leuchtfeuer gehört zu den stärksten Motiven der Region: mehr dazu unter Neuengland im Winter. Und wem vier Türme nicht reichen: Maine Open Lighthouse Day (ein Samstag im September) öffnet jährlich über zwei Dutzend Türme gleichzeitig, inklusive solcher, die sonst nie zugänglich sind.