Fünf Tage Genuss

Neuengland für Feinschmecker – die kulinarische Rundreise und Tour

Neuengland für Feinschmecker heißt: keine Strecke nach Highway-Logik, sondern nach Speiseplan; vom Sirup der Green Mountains über den Käse der Dörfer bis zum Hummer am Kai.

Sammeleimer für Ahornsaft an Bäumen in Vermont
Ahornsaft-Ernte, aus 40 Litern Saft wird 1 Liter Sirup

Die Rundreise im Überblick

Fünf Tage, drei Staaten, ein Speiseplan: die kulinarische Rundreise durch Neuengland im Überblick, so sieht Neuengland für Feinschmecker als Rundreise aus:

TagEtappeAuf dem Teller
1Boston → Grafton (VT)Grafton Village Cheese, Abendessen im Dorf-Inn
2Grafton → WoodstockSugarbush Farm: Sirup-Verkostung der vier Farbklassen
3Woodstock → Portsmouth (NH)Diner-Frühstück, abends Austern am Hafen
4Portsmouth → Portland (ME)Old Port: Brauereien, Lobster Roll im Vergleich
5Portland → Georgetown → BostonLobster Shack am Kai; das Finale

Neuengland für Feinschmecker: die Stationen, die die Reise tragen

Ahornsirup in Vermont

Vermont erzeugt rund die Hälfte des US-Ahornsirups, und die Farmen machen daraus keine Show, sondern Alltag: Bei Sugarbush Farm oberhalb von Woodstock oder Morse Farm bei Montpelier verkostet man die vier offiziellen Klassen von Golden Delicate bis Very Dark Strong, und lernt nebenbei, warum echter Sirup mit dem Supermarkt-„Pancake Syrup“ nichts zu tun hat. Faustzahl zum Mitnehmen: vierzig Liter Saft für einen Liter Sirup.

Käse in den Dörfern

Die Grafton Village Cheese Company reift ihren Cheddar bis zu sechs Jahre; die Cabot Creamery, eine Genossenschaft von Familienfarmen, ist der größere Name im Regal. Zwischen beiden liegt der Vermont Cheese Trail mit über vierzig Höfen, für diese Tour reichen zwei Stopps, sonst wird aus der Rundreise ein Käselager.

Austern und Diners in New Hampshire

Portsmouth ist die Restaurantstadt der Region: Austern aus der Great Bay, dazu eine Diner-Kultur, die das Frühstück ernst nimmt: Pancakes selbstverständlich mit dem Sirup von vorgestern. Hier merkt man zum ersten Mal, dass diese kulinarische Rundreise durch Neuengland eigentlich eine Geschichtsreise ist: Fast jedes Gericht hat ein Gründungsjahr, und kaum eine Tour durch Neuengland kommt an einem Diner-Tresen vorbei.

Hummer in Maine

Das Finale gehört dem Hummer, und die Form entscheidet: nicht das Restaurant mit Tischdecke, sondern die Lobster Shack am Wasser: Plastikschale, Nussknacker, Papierlätzchen. Five Islands Lobster in Georgetown serviert direkt an der Werft; die Lobster Roll gibt es in zwei Schulen (Maine-Style kalt mit Mayo, Connecticut-Style warm mit Butter), und wer beide an einem Tag testet, hat eine Meinung fürs Leben. Rund achtzig Prozent des US-Fangs kommen aus Maine: frischer wird es nicht. Wer lieber selbst einkauft, findet am Kai von Portland den Harbor Fish Market, seit 1968 die erste Adresse für Hummer und Muscheln direkt vom Boot; auch südlich von Boston lohnt das Seafood der kleinen Händler mehr als jede Supermarkttheke.

Diners: das Frühstücks-Ritual

Zwischen allen Stationen liegt die Institution, die diese Rundreise zusammenhält: das Diner. Chrom, Resopal, Filterkaffee, Pancakes mit echtem Sirup, viele Häuser braten seit den Fünfzigern dasselbe Frühstück, und genau das ist ihr Wert. Faustregel: dort anhalten, wo die Pick-ups der Einheimischen parken, nicht dort, wo der Parkplatz leer ist.

Wann die kulinarische Tour am besten fährt

Zwei Fenster: Ende September bis Mitte Oktober, wenn Erntemärkte, Apple Cider und die Laubfärbung zusammenfallen (dann aber früh buchen: die Strecke teilt sich Tage 1–2 mit der Herbstroute), oder März, wenn die Sugar Shacks dampfen und Vermont Maple Open House Weekend feiert; dann ist die kulinarische Rundreise durch Neuengland am dichtesten an ihren Erzeugern. Der Hochsommer funktioniert auch, verlagert den Schwerpunkt der Tour durch Neuengland aber an die Küste; kulinarisch verliert nur Vermont, die Häfen gewinnen. Und wer Neuengland für Feinschmecker mit der Laubfärbung verbinden will, fährt die ersten beiden Tage einfach als Teil der Herbstwoche. Praktisches (Mietwagen, Budget, Buchungsvorlauf) steht gesammelt in der Reiseplanung.

Was die Tour kostet und was nicht

Kulinarisch reisen ist in Neuengland erstaunlich demokratisch: Die denkwürdigsten Stationen (Sugar Shack, Diner, Lobster Shack) liegen zwischen fünf und dreißig Dollar pro Person. Teuer wird es nur, wo weißes Tischtuch dazukommt; Portland und Portsmouth haben davon reichlich, aber nichts auf dieser Rundreise setzt es voraus. Verkostungen auf den Farmen sind meist frei oder kosten wenige Dollar, und der beste Kaufrat gilt überall: Sirup und Cheddar direkt beim Erzeuger mitnehmen, dieselben Flaschen kosten am Flughafen das Doppelte.

Die Regeln der Shack-Kultur

Damit das Finale gelingt, hilft ein kurzer Knigge: Bestellt wird am Fenster, gezahlt oft nur mit Karte, gegessen an Picknicktischen: wer einen freien Platz sieht, setzt sich dazu, das ist Teil des Systems. Der Hummer wird nach Gewicht berechnet und „market price“ schwankt wöchentlich mit dem Fang; nachfragen ist normal, nicht unhöflich. Und die wichtigste Regel steht nirgends angeschrieben: Die Shack mit der längeren Schlange und dem schlechteren Parkplatz ist fast immer die bessere. BYOB, eigene Getränke mitbringen, ist an vielen Shacks Maines ausdrücklich erlaubt und macht den Abend am Kai komplett.

Und wer nach den fünf Tagen Appetit auf mehr hat, verlängert nach Norden: Die Midcoast Maines zwischen Brunswick und Rockland ist die inoffizielle sechste Etappe: Austern aus dem Damariscotta River, Brauereien in Rockland, und am Ende wartet ohnehin wieder eine Shack am Kai.

Häufige Fragen zur Genussroute

Braucht man Reservierungen?

Nur für die Abendessen in Portsmouth und Portland. Shacks, Diners und Farmen kennen keine Reservierung, die Schlange ist das System.

Was bringt man am besten mit nach Hause?

Sirup in der Glasflasche (Klasse „Dark“ hat das meiste Aroma), gereiften Cheddar vakuumiert, keine frischen Lebensmittel: die US-Ausfuhr ist unkritisch, die EU-Einfuhr von Milchprodukten formal begrenzt.

Funktioniert die Route vegetarisch?

Weitgehend: Sirup, Käse, Diner-Frühstück und die Farmstände tragen sie problemlos. Nur das Finale wechselt dann vom Hummer zur Chowder-Alternative: Mais-Chowder gibt es fast überall.

Ist die Route im Winter fahrbar?

Die Straßen ja, aber die Hälfte der Stationen pausiert. Der März ist die Ausnahme: Sugar Shacks in Betrieb, Diners offen; nur die Küste bleibt still.

Noch ein Rat aus Erfahrung: Planen Sie die Abendessen, nicht die Mittagessen. Mittags entscheidet der Zufall am Straßenrand ohnehin besser.